Das Queerpolitische Netzwerk Ulm/Neu-Ulm traf sich im Januar 2026 im Ulmer Rathaus zu einem rund zweistündigen Austausch mit dem Ulmer Oberbürgermeister Martin Ansbacher sowie der Neu-Ulmer Oberbürgermeisterin Katrin Albsteiger. Im Zentrum des Gesprächs standen das Sicherheitsempfinden queerer Menschen in der Doppelstadt sowie strukturelle Bedarfe, die die Community aktuell sieht.
Zu Beginn stellte das Netzwerk die Ergebnisse einer im Vorfeld durchgeführten Umfrage vor. Abgefragt wurde unter anderem das subjektive Sicherheitsempfinden im öffentlichen Raum. Während sich queere Menschen in Ulm insgesamt überwiegend sicher fühlen, erreicht Neu-Ulm in dieser Kategorie lediglich einen mittleren Wert.
Wahrnehmung im Stadtbild: Wo sich queere Menschen sicher fühlen – und wo nicht
Gleichzeitig zeigt die Auswertung, dass es Orte gibt, die bereits als sehr sicher wahrgenommen werden – darunter insbesondere der Münsterplatz, der Campus der Uni Ulm sowie queerfreundliche Lokale wie das „Zum Waschbären“.
Deutlich wurde jedoch auch, dass bestimmte Bereiche weiterhin als problematisch gelten. Dazu zählen vor allem die Bahnhöfe beider Städte, die Ulmer Oststadt sowie in Neu-Ulm das gesamte Glacis-Gebiet. Diese Rückmeldungen unterstreichen den Bedarf an gezielten Maßnahmen, um queere Menschen im Alltag besser zu schützen.
Strukturelle Wünsche: Mehr Räume, mehr Ansprechpersonen, mehr Sichtbarkeit
Neben dem Thema Sicherheit formulierte die Community weitere Wünsche: ein Queeres Zentrum als fester Treffpunkt, die Einrichtung einer oder eines Antidiskriminierungsbeauftragten sowie mehr Sichtbarkeit queerer Lebensrealitäten im Stadtbild, auf Social Media und in kommunalen Kampagnen.
Diese Anliegen verdeutlichen, dass queere Menschen sich nicht nur mehr Schutz, sondern auch stärkere Repräsentation und feste Strukturen wünschen, die Begegnung, Beratung und Empowerment ermöglichen.
Stimmen aus der Community: Vielfalt der Erfahrungen, neue Perspektiven
Im Verlauf des Treffens kamen queere Personen aus der Region mit unterschiedlichen Themen zu Wort. Besonders bewegend war der Beitrag einer queeren Person mit Migrationsgeschichte, der eine Perspektive einbrachte, die in öffentlichen Debatten häufig zu kurz kommt.
Während queere Diskurse oft von weißen, queeren Menschen dominiert werden, machte dieser Beitrag eindrücklich sichtbar, wie stark queere Migrant*innen von Alltagsdiskriminierung betroffen sind und welche zusätzlichen Hürden sie erleben – unter anderem im Kontakt mit staatlichen Institutionen. Teilweise erlebten queere Migrant*innen auch, dass ihre Migrationserfahrung und queere Identität gegeneinander ausgespielt würden.
Moderation und Ausblick: Gemeinsame Schritte für eine queerfreundlichere Doppelstadt
Moderiert wurde das Event vom Sprecher des Queerpolitischen Netzwerks Ulm/Neu-Ulm, Fabian Girschick, gemeinsam mit Drag Queen Divi Divine, die die Fragenrunde leitete. Beide sorgten für einen strukturierten und respektvollen Rahmen des Austauschs.
Das Queerpolitische Netzwerk bewertet das Treffen als wichtigen Schritt, um die Bedarfe der Community sichtbar zu machen und gemeinsam mit den Städten an konkreten Verbesserungen zu arbeiten.
Das Queerpolitische Netzwerk Ulm/Neu-Ulm bringt seit 2022 rund 20 Vereine, Initiativen und Einzelpersonen aus Community, Stadtpolitik und Verwaltung zusammen. Es arbeitet intersektional, um queere Anliegen sichtbar zu machen und Diskriminierung abzubauen. Koordiniert wird das Netzwerk durch eine Geschäftsstelle, die Treffen finden viermal im Jahr statt.